Seit etwa einer Woche kursiert in den Medien das Video Geh nicht hin. Dieser Clip wurde hauptsächlich über Youtube verbreitet und hat anfangs für Verwirrung gesorgt: “Prominente” wie zum Beispiel Fernsehkoch Rolf Zacherl oder Filmkampfmaschine Claude-Oliver Rudolph fordern scheinbar die Zuschauer auf, die Bundestagswahl im September zu boykottieren.
Eine solche Nachricht bleibt nicht ohne Echo im Blätterwald. Sofort meldeten sich aufgeregte Kommentatoren zu Wort, die hitzig über den Sinn einer solchen Kampagne diskutierten. Besonders die Präsenz einer Person regte zur Berichterstattung an: In bierernstem Ton erklärt Tagesschausprecher Jan Hofer: “Also, Sie werden mir das ja vielleicht nicht glauben, aber: Ich gehe nicht wählen!” Diese Aussage lässt tatsächlich Skepsis aufkeimen. Es erscheint mehr als unglaubwürdig, dass ein Mann nicht wählen geht, dessen Tagesgeschäft doch die Politik ist. Ein paar Tage später erschien, sozusagen als Bestätigung dieser Zweifel, eine neue Version des Videos. Die Akteure decken nun die Ironie hinter der ersten Version des Films auf und fordern zur politischen Aktivität auf. Es stellt sich die Frage, warum dies überhaupt nötig ist.
Im Oktober 1969 verlangte Willy Brandt in seiner berühmten Regierungserklärung, mehr Demokratie zu wagen. Inzwischen scheint es, als müsse der Bürger zu mehr Demokratie überredet werden. Dies ist das Ziel des Clips. Mit mehr oder weniger eindringlichen Appellen versuchen die Prominenten in der aktuellen Fassung des Clips, dem Zuschauer zu verdeutlichen, wie wichtig der Urnengang ist.
Die Kampagne wurde von politik-digital.net und der probono-Fernsehproduktion entwickelt und publiziert. Sie orientiert sich am amerikanischen Vorbild “Five Friends”, in dem sich Prominente zynisch als Nichtwähler ausgeben. Nicht nur die Aufmachung des Clips ist in der deutschen Version kopiert worden, auch die Grundaussage ist dieselbe: “Was interessiert mich das alles, ich kann doch ohnehin nichts bewegen”.
Mit mehreren Millionen Aufrufen ist das Original im Wahlkampf 2008 zu einem beachtenswerten Bestandteil des Wahlkampfes geworden. Zugleich konnte es die Brücke zwischen konventioneller Wahlwerbung und der Interaktivität des Internets schlagen. Diesen Weg wollten auch die Produzenten der deutschen Version beschreiten und richteten (bislang mit vergleichsweise eher bescheidenem Erfolg) auf ihrer Internetseite ein Forum ein, in dem über das Video und das Thema Politikverdrossenheit diskutiert werden soll.
Das Prinzip, zunächst nur einen Teil des Videos zu veröffentlichen, um damit eine Diskussion zu entfachen, ist nur teilweise geglückt. Die Debatte über Politikverdrossenheit und die damit verbundene Gefährdung der Demokratie ging unter in dem Prominente-gehen-nicht-wählen-Spektakel. Das Video selbst beschneidet sich selbst seiner Ernsthaftigkeit durch bemerkenswert unlustige Einwürfe von Internetgrößen wie Buddy Oguen oder die Türsteher-Coolness des Rappers Massiv. Ob das gewollt war oder zumindest billigend in Kauf genommen wurde, um möglichst viele Bevölkerungsschichten anzusprechen, ist nicht direkt ersichtlich.
Ebenso fraglich ist es, ob auf diese Weise tatsächlich die Menschen überzeugt werden, wählen zu gehen. Doch wenn zumindest ein Bruchteil der Zuschauer zum Wählen ermuntert wurden, kann das Video schon als Erfolg verbucht werden.
also ich persönlich fand die argumente, nicht wählen zu gehen, überzeugender als ein entrüstetes “soll ich das jetzt wirklich erklären?”.
die machen vllt moralingetränkt bis zum anschlag propaganda; auf den punkt zu bringen, wieso wählen richtig sei, sindse mit ihren gutmenschenplattitüden aber absolut nich imstande.
btw: semesterferien und sommerloch, oder wieso hast du nen blog?^^